30 Jahre Gemeinde Leiblfing - Gebietsreform in Bayern

Urkunde 30 Jahre Gemeinde Leiblfing

Die Geschichte der Gemeinde Leiblfing in der jetzigen Form gründet sich auf die Gebietsreform 1978. Die Gemeinde Leiblfing wurde aus folgenden Gemeinden, sowie Teilbereiche anderer Gemeinden, geschaffen.

 

Leiblfing, Obersunzing, Eschlbach, Hailing, Hankofen, Schwimmbach, Metting waren selbstständige Gemeinden; Haidersberg gehörte zur Gemeinde Hainsbach sowie Altfalterloh zu Puchhausen.

 

30 Jahre sind nun vergangen. Aus diesem Grunde wurde mit Herrn Josef Lermer sen. aus Oberwalting, der von 1972 - 1978 Bürgermeister der Gemeinde Leiblfing war, ein „Interview" geführt.

 

Leiblfing stand ab dem 2. Weltkrieg bis 1972 „Rupert (Bertl) Horner" als Bürgermeister vor. Gemeindeschreiber war in dieser Zeit Herr Alfons Frank und Gemeindekassier war Herr Franz Haider.

 

Seit etwa 1970 waren die Gemeinden in Bayern von der Staatsregierung aufgerufen, sich zu größeren Gebietskörperschaften freiwillig zusammen zu schließen, was auch Anfang 1978 in der „Staatsverordnung", im Staatsanzeiger veröffentlicht, endete.

 

Herr Josef Lermer selbst war bis 1972 Gemeinderat in der Gemeinde Eschlbach, wo bis dahin Herrn Alois Lermer (Kraus-Anwesen Eschlbach) das Amt des Bürgermeisters inne hatte.

 

Seit 1970 hatte Herr Josef Lermer neben seinem Mandat als Kreisrat auch das eines Bezirksrats inne. Dies war für die folgenden Jahre von entscheidender Bedeutung für die Gebietsorganisation in unserer Heimat (Bezirksrat hat „Zugang" zur Regierung von Niederbayern).

 

Die Gemeinde Eschlbach hatte selbst kein Standesamt, sondern wurde von der Gemeinde Leiblfing mit betreut. Gemeindeschreiber war auch hier der Vater unseres jetzigen Bürgermeisters Wolfgang Frank, Herr Alfons Frank.

 

Die jungen Gemeinderäte aus Eschlbach Josef Lermer, Josef Hammerschmid und Ludwig Hirtreiter führten die einstimmige Entscheidung des Gemeinderats Eschlbach herbei, sich bereits 1971 der Gemeinde Leiblfing anzuschließen. Eine Sonderzuwendung hierfür wurde vom Freistaat Bayern in Höhe von 130.000,- DM ausgeschüttet.


Im Laufe des Jahre 1971 fasste auch die Gemeinde Obersunzing den Beschluss, sich zu der Gemeinde Leiblfing zu bekennen, auch wenn hier die damals Verantwortlichen, wie z.B. Bürgermeister Schnabl, Rohrhof anfangs nicht so ganz dieser Meinung waren. Eine entscheidende Rolle hat hier Herr Max Buchschmid „gespielt". Er war Gemeindeschreiber der Gemeinde Obersunzing (damals Angestellter). Ihm und der Gemeinde Obersunzing wurde per sog. Übernahmevertrag in Aussicht gestellt, dass er als „Gemeindeschreiber" in die „Großgemeinde" Leiblfing wechseln und sich somit auch für Obersunzing weiterhin einsetzen könnte. So geschah es dann auch. Die Gemeinde Obersunzing schloss sich Leiblfing an. Max Buchschmid wurde, wie man heute sagen würde „Geschäftsleiter" und Nachfolger von Herrn Alfons Frank, der sich noch einige Jahre (im Rentenalter) der Kämmerei der Gemeinde Leiblfing zuwendete. Maria Strasser war Kassiererin; Gemeindediener Herr Josef Lanzinger, aus Eschlbach.

 

Für den Anschluss von Obersunzing wurde vom Staat eine Sonderzuwendung von 240.000,- DM damals ausgeschüttet. Weitere freiwillige Zusammenschlüsse geschahen nicht. Für den Anschluss der Gemeinde Schwimmbach hätte der Freistaat damals die unvorstellbare Summe von 540.000,- DM, sowie ein zinsverbilligtes Darlehen in gleicher Höhe bereitgestellt. Auch Schwimmbach blieb unter dem damaligen Bürgermeister Georg Berleb, der nach 1978 als Bürgermeister von Leiblfing gewählt wurde, bei seinem NEIN.

 

Viele Besprechungen und „Bürgerversammlungen" erfolgten in den Ortsteilen mit „harten" Auseinandersetzungen. Getreu dem bayer. Motto „Mia san mia, mia san stärker wia de Stier", beharrte man auf seiner Selbstständigkeit.
Dagegen wurde in München schon immer weiter die Gebietsreform vorangetrieben. Man ließ zwar in den Orten Versammlungen abhalten, Unterschriftenlisten aufstellen, „Demonstrationen organisieren", Abstimmungen durchführen, Hasstiraden ausstoßen, ja einfach den Bürger in der Meinung belassen: „Er kann hier mitwirken".

 

Bayernweit geschah aber eine Korrektur der geplanten Gebietskörperschaften durch den Einfluss der Bürgerschaft nur in ganz geringem Umfang. In der „zukünftigen" Gemeinde Leiblfing jedenfalls nicht.

 

Unter der harten Hand des Bayer. Innenministers Dr. Merk (CSU) erfolgte hier die Umsetzung. Ganz entscheidend für Leiblfing war eine Zusammenkunft im Ministerium bei Dr. Merk, mit dem Mitglied des Landtags, Herrn Alfred Dick, CSU (dem Leiblfing sehr viel zu verdanken hat), Landrat Xaver Hafner, CSU (Bogen) und Herrn Josef Lermer, CSU. Diese fand 1975 statt. Genauso wie dort auf einem händisch gezeichneten Plan festgelegt, erfolgte 1978 trotz großer Proteste in den Orten die Gebietseinteilung.

 

Große Unterstützung erfuhr man auch in der Regierung von Niederbayern durch Herrn Dr. Zwicknagel und dem für das Schulwesen Verantwortlichen, Herrn Albin Schindlbeck. Denn im Schulwesen war die Grundvoraussetzung für die Bestimmung zum Kleinzentrum enthalten. Ein Kleinzentrum wurde sodann auch immer zum Sitz einer Kommune/Gemeinde bestimmt.

 

Leiblfing hatte bis 1972 nur eine Schule nicht viel größer als die Schulen in Hailing, Hankofen, Niedersunzing, oder auch Schwimmbach.

 

Durch den Erwerb von Grundstücken von Herrn Georg Gierl (Vater des jetzigen Hofbesitzers) und von Herrn Jakob Maier, wurden hierzu vor Ort die grundstücks- und baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Über die politische Schiene konnte in den Jahren 1972 und 1973 Leiblfing zu einem Standort für eine Volksschule mit Klassen für jede Altersstufe gesichert werden. Zwischendurch existierten nämlich in der Regierung von Niederbayern bereits Pläne, dass Leiblfing nur noch eine Teilschule bleiben sollte und der Schulstandort für das gesamte Aiterachtal Mengkofen werden sollte (vielleicht daher auch die Bezeichnung der dortigen Volksschule: „Volksschule Aiterachtal"). Auch Salching kämpfte hier mit gegen eine Volksschule in Leiblfing.

 

Durch die guten Beziehungen zur Regierung von Niederbayern (als Bezirksrat) konnte Bgm. Lermer damals die Tür für den Bau der Volksschule Leiblfing aufmachen. Als erster Bauabschnitt erfolgte der Ostteil 1973/74 und als zweiter Bauabschnitt der Westteil 1978 mit der Schulsporthalle im gleichen Jahr. Der Mittelteil, die eigentlich ursprüngliche Schule, stammt etwa aus dem Jahre 1960. Das noch vorherige Schulgebäude befand sich in der Straubinger Straße 26 - später war dies auch die Gemeindekanzlei.

 

Die Schulen in der Gemeinde Leiblfing wurden in der Folge bis auf die Nebenschule in Niedersunzing allesamt aufgelöst.

 

Nun aber wieder zur Gebietsreform. Was geschah bis 1978 in den weiterhin selbstständigen Gemeinden?

 

Bürgermeister Lermer wurde zumindest in Hankofen durch den damals amtierenden Bürgermeister Xaver Landstorfer zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Dort wurde ihm sehr hart zugesetzt, aber zumindest kam er dort offiziell zu Wort. Xaver Landstorfer zählte damals zu den jüngsten Bürgermeistern im Landkreis. Der Gemeindeschreiber von Hankofen war zu dieser Zeit Georg Sussbauer.

 

Im Bereich Hankofen, Hailing, aber auch Reißing wurde in den ersten Jahren eine Gemeinde, bestehend aus diesen drei Ortsteilen favorisiert. Man konnte sich aber nicht auf einen Sitz einigen. (Reißing -Pfarreisitz, Hankofen - Mitte, Hailing - Geld). Mehr wie in Frage stehend war, wie diese Gebietskörperschaft finanziell u.a. „ohne" Gewerbesteuer eigenständig existieren könnte. Nachdem Reißing relativ bald in Richtung Oberschneiding sich ausrichtete, fand in Hankofen eine Neuorientierung statt. Wie schaut es mit Salching aus? Eine Abstimmung im Gemeinderat ergab 5:4 für Leiblfing (wenn, dann zu Leiblfing, aber nicht freiwillig). Was fast niemand wusste, war die bereits festgelegte Entscheidung für die Gemeinde Leiblfing durch das Bayer. Staatsministerium des Innern.

 

Die Gemeinde Hailing wollte selbstständige Gemeinde bis zuletzt bleiben. Bürgermeister Wiesbeck und vor allem die umtriebene Gemeindeschreiberin Frau Elke Trum kämpften bis zuletzt hierfür. Das Geld sollte nicht nach Leiblfing rüber. So wurde dort noch an ein viel größeres Bad als in Puchhausen gedacht. (Das bis jetzt erhaltene Bad stammt aus dem Jahre 1971). Die freie Bewirtschaftung der Geldmittel wurde aber durch den Freistaat Bayern bereits ab dem Jahre 1975 für bestimmte Gemeinden erheblich eingeschränkt. Größere Ausgaben bedurften der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde.  So waren auch die Haushaltspläne im letzten Jahr vor der Gebietsreform mit der zukünftigen „Haupt"-Gemeinde abzustimmen. Hierzu fand u.a. eine größere Beratung der Gemeindeverantwortlichen 1977/78 im Saal des Wagner-Wirtshauses in Leiblfing statt.

 

Metting war hin und her gerissen zwischen Feldkirchen (selbst lang zweifelhaft, ob noch Gemeinde - nur Dank dem damals viel größeren Bundeswehrstandort Mitterharthausen, auch die wollten selbst Sitz werden, Hainsbach und Pönning. Nachdem klar wurde, Hainsbach und Pönning werden selbst keine Kommune mehr werden, blieb nur noch Feldkirchen. Feldkirchen wurde aber dann selbst (zwar relativ kurz) in eine Verwaltungsgemeinschaft mit Aiterhofen (Sitz in Aiterhofen) eingegliedert. Auch wenn viele Mettinger in Richtung Feldkirchen zogen, Metting kam nach Leiblfing (kirchlich eh schon immer der Fall). Dort in Metting agierten damals Bürgermeister Ludwig Amann und die resolute Frau Helena Schütz als Gemeindeschreiberin. Sie führte auch die „Kasse" der Raiffeisenbank. In Richtung Leiblfing wollte damals anscheinend niemand. Die damals verantwortlichen in der Kath. Landjugend Metting versuchten in der Zeit des Zusammenschlusses noch einen weiteren Ausbau des Vereinshauses, finanziert aus den Geldbeständen der fr. Gemeinde Metting. Die Mettinger gehörten dann auch bis etwa 2005 nicht zum Schulsprengel der Volksschule Leiblfing.

 

Auch die Gemeinde Schwimmbach, unter Bürgermeister Georg Berleb, war wie weiter vorne bereits aufgeführt, nicht für eine freiwillige Eingliederung zu bewegen. Der sehr umtriebene damalige Bürgermeister Spielberger von Puchhausen führte sehr intensive Verhandlungen mit den Verantwortlichen aus Schwimmbach. Als dieser aber sah, dass Puchhausen zu Mengkofen kommen und er dort große Chancen auf das Bürgermeisteramt haben würde - fanden die Gespräche ein jähes Ende. Bürgermeister Berleb hatte in dieser Zeit als seine Beraterin Frau Marianne Maschauer als Gemeindeschreiberin zur Seite. Deren Mann, Herr Richard Maschauer wurde ab etwa 1974 „erster" Rektor der Volksschule Leiblfing und hatte als große Aufgabe den Aufbau und Zusammenschluss zu dieser Schuleinheit.

 

Was sowohl Herr Maschauer und Herr Lermer für die Gemeinde Leiblfing, insbesondere für die Bürger geleistet haben, kann man nicht aufwerten. Die Gemeinde Leiblfing kann nur Danke sagen, durch die Ernennung zu Ehrenbürgern.

 

Altfalterloh wurde von Puchhausen abgegrenzt und kam zu Leiblfing („die Bürger dort waren bis auf einen, der gleichen Meinung wie der Freistaat Bayern").

 

Haidersberg kam aus der Gemeinde Hainsbach nach Leiblfing (dort wurde die Gemarkungsbezeichnung „Hainsbach" bis heute nicht aufgelöst; in Altfalterloh erst um 2000).

 

Viel böses Blut herrschte in diesen Jahren, zwischen den Ortsteilen, obwohl überall auch besonnene, vernünftige und weitdenkende Bürger wohnten. Diese hatten es selbst nicht leicht in den Heimatgemeinden sich für den gemeinsamen Weg auszusprechen.

 

Viele Abstimmungen wurde durchgeführt - gestritten und gekämpft. Wie gesagt, ob diese wirklich (noch) Einfluss hatten, muss man, wenn man dreißig Jahre zurückblickt, einfach im Raum stehen lassen.

 

Eine schwierige Entscheidung, aber für die Entwicklung von Leiblfing von enormer Bedeutung, erfolgte 1976 in einer Nachtsitzung im Wohnzimmer beim Lermer in Oberwalting mit dem Ergebnis „Bau der Kläranlage Leiblfing" nur Stunden vor dem Ende einer Ablauffrist über die Zuschussgewährung. Ein Anruf noch in der Nacht, soweit bekannt, bei MdL Dick brachte diese Entscheidung auf den Weg.

 

Wusste man über die Tragweite der Entscheidung damals Bescheid? Auf jeden Fall ging man erst in den Morgenstunden -nicht mehr so ganz „frisch"- auseinander.

 

Der Bauantrag wurde in der Folge am 27.09.1976 gestellt. Diese Entscheidung stieß bei der Bevölkerung in Leiblfing auf erheblichen Widerstand und hatte anscheinend Einfluss auf die Wahl des ersten gemeinsamen Bürgermeisters und dem Gemeinderat im Jahre 1978. Dieser setzte sich wie folgt zusammen:

Erster Bürgermeister Georg Berleb, Schwimmbach;
2. Bürgermeister Josef Hammerschmid, Oberwalting (Eschlbach),
3. Bürgermeister Georg Klostermeier, Leiblfing,
Reinhard Böhm, Schwimmbach,
Georg Wurm, Schwimmbach,
Georg Mittermeier, Schwimmbach,
Xaver Landstorfer, Grünberg (Hankofen)
Xaver Mayer, Sondergai (Hankofen)
Josef Sturm, Hailing
Karl Wolf, Aspersgrund (Hailing),
Josef Lermer, Oberwalting (Eschlbach);
Alfons Eimer, Eschlbach,
Hans Sers, Niedersunzing (Obersunzing)
Alfons Trimpl, Obersunzing,
Adalbert Huber, Schleinkof (Leiblfing)
Josef Kneuttinger, Leiblfing
Wolfgang Frank, Leiblfing.
Ortssprecher der fr. Gemeinde Metting wurde Ludwig Amann.

Die Mitglieder teilten sich auf die früheren Gemeinden wie folgt auf:
Leiblfing 4, Schwimmbach 4, Hankofen 2, Hailing 2, Eschlbach 3, Obersunzing 2

 

30 Jahre Gemeinde Leiblfing

drucken nach oben